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Hotel im Berg

St. Gotthard · Tessin/Schweiz · Europa ··· Preis: 125€ - 405€
"Über den Wolken. In der Tiefe des Bergs. An der Quelle der Flüsse." - Dort soll das Hotel liegen. Was hier so mystisch und geheimnisvoll klingt, ist die grobe Beschreibung eines Ortes, der durch seine Lage und mit seinen Ideen so unwirklich erscheint, dass es als Unterkunft für Reisende unvergesslich bleiben wird. Wir reden hier von der Landschaft...

...des Sankt-Gotthard-Bergmassivs in 2050 Meter Höhe. Es ist karg, extrem und wetterwechselnd… nur die Staumauer des Lago di Lucendro scheint diesen Naturgewalten gewachsen zu sein.
Der Eingang des Hotels ist kein prunkvolles Tor, sondern ein Loch im kargen, harten Fels. Nachdem eine freundliche Stimme an der Sprechanlage den Weg frei gibt, betritt der Gast durch eine rote Tür den schummrig beleuchteten Eingangsstollen. Die Umgebung gibt sich schroff, dunkel und metallisch-feucht. Es tropft von der Decke -unheimlich. Diesen Weg beschritten bereits Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Immer tiefer dringt der Besucher in den Berg ein. Nach und nach durchschreitet man die Vielzahl an Stahltüren, die hinter sich auch wieder geschlossen werden wollen. Darauf weisen vergilbte Hinweisschilder in einem militärischen Ton hin. Nach 200 Metern erscheint eine beschlagene Glastür. Beim Durchschreiten betritt der Besucher eine andere Welt -auf einem roten Teppich. Kleine Lichtakzente sind sparsam aber effektvoll auf dem Boden platziert. Eine hohe Vase mit Lilien nahe einer Sitzgruppe wirkt einladend, doch eine Rezeption sucht man vergebens. Hier wird jeder Gast persönlich begrüßt. Jean Obermatt, ein intelligent dreinblickender Mann und gleichzeitig Begründer von La Claustra, übernimmt dies. Eine feierliche Atmosphäre herrscht hier vor. Ein Restaurant ragt als Glasgebäude aus dem Felsboden hervor. Der Luxus steht hier gleichzeitig in Kontrast und Harmonie zum rauen Gestein.

Auch hier fallen Tropfen von der Decke und werden in tönernen Amphoren aufgefangen. Grund hierfür ist der sich über dieser Eingangshalle befindliche See, ein Reservoir mit 45000 Litern reinstem Trinkwasser, gespeist aus fünf Quellen. Zum einen ist es die Quelle des Flusses Reuss, der durch Luzern fließt, und des weiteren die Quellen des Flüsse Rhein, Rhöne und Tessin. Der Gotthard ist einer von drei Quellgebieten weltweit, dessen Flüsse sich in alle vier Himmelsrichtungen erstrecken. Die anderen beiden liegen im Himalaya und im südamerikanischen Orinocco.
Jean befasst sich seit 1983 künstlerisch mit dem Gotthard-Massiv. Das Hotel entstand in einer Soldatenfestung, die bis 1995 noch mit Artellerie bestückt war und dessen 300 Mann starke Kompanie die Sicherheit der Passstraße gewährleistete. Mittlerweile sind die Kanonen durch Teleskope ersetzt worden und dienen nur noch friedlichen Zwecken. Die Kommunikation zwischen den verschiedensten Menschengruppen soll hier gefördert werden. Man trifft auf Wissenschaftler, Manager, Handwerker, Künstler und Touristen. Der Ort dient der Reflektion und Erkenntnis.

Folgt man dem roten Teppich unter einem weißen Leinentuch-Baldachin hindurch in Richtung der Zimmer, wird man unterwegs die bekannten Gegensätze wiederfinden. Eine Klimaanlage hält das Höhleninnere auf "trockene" 20 Grad Celsius. Jedes Zimmer trägt den Namen einer "Horizontlinie" der Alpen: Sambuco, Lucendro, Rotondo, Laventina und Wilder Mann. Die Inneneinrichtung der Zimmer ist eher sparsam aber stilvoll gehalten. Die Möbel hat Jean selbst entworfen. Tische, Stühle und das Bett sind aus Ulmenholz, der Fußboden aus heller Lärche. Eine von hinten angeleuchtete Fotografie einer Berglandschaft verwandelt sich beim Ausschalten des Lichts in einen Spiegel, der über einem Waschbecken hängt. Dieses wird natürlich durch Bergwasser gespeist. Die 350kg schwere Eisentür birgt den Zimmereingang. Damit man sich nicht so eingesperrt fühlt, ist in diesem Verschluss ein Glasschlitz eingelassen. Den kann man aber bei Wunsch auf Privatsphäre durch einen schmalen rollbaren Kleiderschrank verstecken. Einen gewissen Verlust von Privatsphäre muss der Gast schon allein in Bezug auf die Lage der Toiletten und Waschräume hinnehmen. Diese liegen auf dem langen Gang, an dem auch ein Wellnessbereich angeschlossen ist. Dass man sich dort überwiegend im Bademantel begegnet, sollte für Besucher kein Problem darstellen.
Erwähnenswert ist vielleicht auch der Verlust von "Orientierungskoordinaten". Es klingelt im Berg sicherlich kein Handy und der Verlauf der Sonne ist hier auch nicht zu beobachten. Man verliert schnell das Gefühl für Raum und Zeit… doch das ist auch im Sinne des Soziologen und Erfinders Jean Odermatt. Er "erzwingt" dadurch eine Öffnung für das Neue und den Anderen. Es sitzen schließlich alle im gleichen Berg.


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Adresse · Lage Preise · Verpflegung · Ausstattung
La Claustra - St. Gotthard, Tessin, Schweiz
+41-91-880 50 55

www.laclaustra.ch
9 Einzelzimmer für 125€, inkl. Frühstück
8 Doppelzimmer für 250€, inkl. Frühstück
Halbpension für 155€ zubuchbar (unbedingt empfehlenswert!)
weitere Informationen: Geöffnet von Anfang Mai bis Ende Oktober.
Hotel im Berg